Kälteeinbruch: So hilfst du obdachlosen Menschen

 

Die kalten Wintermonate sind für die meisten von uns unerträglich. Kurze, graue Tage ohne Sonnenschein. Es wird als mühsam empfunden sich drei Schichten, Haube und Schal anzuziehen, um sich nicht zu erkälten. Doch, wo für die meisten eine „Unannehmlichkeit“ beginnt, startet für andere ein Überlebenskampf. Obdachlose Menschen sind vor allem in den kalten Monaten des Jahres auf Sachspenden, wie Schlafsäcke und Decken angewiesen.

Von Helena Erol Februar 2022

 

So hilfst du Leben zu retten:

2019 wurden laut Statistik Austria 22.000 Menschen in Österreich als obdach- oder wohnungslos registriert. Die Dunkelziffer ist noch viel höher. Als wäre das tägliche Bangen nach Sicherheit und einer Mahlzeit nicht genug, stellt sich jeden Winter die gleiche Frage: Wie viele von diesen 22.000 Frauen, Männern oder Kindern werden die Kälte unbeschadet überstehen?

Eines steht fest: Obdach- und wohnungslose Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Mit minimalem Aufwand kannst Du eines oder mehrere Leben retten. Deshalb haben wir hier einen Guide für dich zusammengestellt:

 

1. Kommunikation mit obdachlosen Menschen

Wenn du Hilfe anbieten möchtest, ist es wichtig, vorher mit den Betroffenen zu kommunizieren. Und zwar mit Respekt und möglichst ohne Vorurteile. Denn schon ein nettes, wenn auch kurzes Gespräch verschönert obdachlosen Menschen den Tag. Wenn du auf eine direkte Geldspende verzichten möchtest, kannst du durch kurze Kommunikation auch herausfinden, was der oder die Betroffene in dem Moment am dringendsten benötigt: Sei es eine Tasse Tee oder eine Decke.

 

Prominete Unterstützer*innen wie die Künstlerin Deborah Sengl promoten das Caritas Kältetelefon

2. Wie erkenne ich Unterkühlung und wie kann ich helfen

Falls dir auffällt, dass der- oder diejenige dringend ärztliche Hilfe benötigt oder schon länger regungslos und nicht ansprechbar am gleichen Standort liegt, zögere nicht die Rettung (unter der Telefonnummer 144) zu alarmieren. Nimmst du ein bläuliches Gesicht, starkes Zittern, Müdigkeit oder sogar Bewusstlosigkeit bei einem obdachlosen Menschen wahr, deutet das  stark auf eine Unterkühlung hin. Es ist sehr wichtig, dass der oder die Betroffene dann durch Decken und warme, gezuckerte Getränke aufgewärmt wird. Direkte oder plötzliche Wärme, zum Beispiel durch Reiben, sollte unbedingt vermieden werden, dies kann zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen. Du kannst aber schon bei den ersten Anzeichen auf Unterkühlung oder Erfrierung eines Obdachlosens die Kältetelefone kontaktieren. Wir haben hier einige Nummern zusammengetragen:

  • Wien - Kältetelefon: 01/ 480 45 53 (0-24 Uhr) - ab November bis Ende April
  • Eisenstadt- Kältetelefon: 0676/ 837 303 22 (8-22 Uhr) - ab November März 
  • Steiermark- Kältetelefon: 0676/ 880 15 8111 (18-24 Uhr) - ab 15. November
  • Kärnten- Kälte-Hotline: 0463/39 60 60 (18-6 Uhr) - ab 1. November, Tagesstätte Eggerheim: 0463/ 555 60 37 (8-18 Uhr)
  • Salzburg - Kältetelefon: 0676/ 848 210 651 (0-24 Uhr) - Anfang November bis Ende März
  • Tirol- Kältetelefon: 0512/21 447 (0-24 Uhr) (TSD - Tiroler Soziale Dienste GMBH)
  • Vorarlberg- Caritas Center Feldkirch: 05522/ 200 1700 (8-12 und 13-16 Uhr), Notschlafstelle am Jahnplatz 4 in Feldkirch: 05522/ 200 1200 (16.30 - 8 Uhr), Caritas Café 05522/200 1570 Mo-Fr 8.30-14 Uhr, Sa 8.30-12 Uhr
  • Oberösterreich– Linz: Verein B37, Telefon: 0732/77 67 67-560, E-Mail: [email protected]
  • Niederösterreich- Notschlafstelle „Auffangnetz“ St. Pölten 0676 / 886 44 750 (19-7 Uhr)

3. Was wird gebraucht? Sinnvolle Spenden für obdachlose Menschen

Du hast bei deiner Hausentrümpelung einige Decken oder Schlafsäcke gefunden und weißt nicht wohin damit? Spende sie doch! Am besten rufst du dafür eine der Hilfsorganisationen in deiner Nähe an und findest heraus, welche Sachspenden am dringendsten benötigt werden. In den Wintermonaten werden in der Regel immer 

  • Unterwäsche
  • Socken
  • Handschuhe, Hauben, Schals, 
  • Schlafsäcke
  • Isomatten
  • Hygieneartikel (Einwegrasierer, Duschgel, Binden)
  • Schuhe und warme Kleidung 

gebraucht.

Sonst kannst du natürlich auch mit einem Geldbetrag (jeder Cent zählt!) schnell und einfach ein Spendenprojekt deiner Wahl unterstützen. Hier im Caritas Wirhelfen.shop kannst du dir aussuchen, was du spenden möchtest. Du kannst Schlafsäcke für die Gruft, eine Mahlzeit in einer Caritas Wärmestube oder saubere Unterwäsche für Menschen, die auf der Straße leben, spenden. Dein Beitrag wirkt in unseren Einrichtungen schnell und direkt. Und ausserdem kannst du deine Geldspende steuerlich absetzen.

4. Sei selbst vor Ort!

Viele Obdachlose würden den Winter nicht überstehen, gebe es keine ehrenamtlichen Helfer*innen, die sich in Suppenküchen, Notschlafstellen oder Tageszentren engagieren. Es fühlt sich gut an, direkt vor Ort mit anzupacken. Falls Du also eine sinnvolle Beschäftigung an freien Tagen suchst und zusammen mit deinen Freund*innen oder Gleichgesinnten mithelfen willst Obdachlosigkeit zu bekämpfen, stöbere doch mal durch diese Projekte:

https://www.caritas.at/spenden-helfen/freiwilliges-engagement

https://www.vinzi.at/mitarbeit/ehrenamt/

https://www.obdach.wien/p/zeit-spenden

https://suppemitsinn.at

https://wienertafel.at/mitmachen/

 

Egal, ob du dich dafür entscheidest, du hilfst Menschen in Not, die harte Winterzeit besser zu überstehen.

Helena Erol

Helena schreibt über aktuelle Themen, die die Community beschäftigen. Lies hier mehr von Helena